Vorwort

Es ist noch nicht lange her, vor der Jahrtausendwende, da lautete das grundlegende Ziel schulischer und akademischer Ausbildung: „Lesen, Schreiben und Rechnen“. Jetzt ist es, so scheint es gelegentlich: „Lesen, Schreiben, Rechnen und Programmieren“. – In der Tat gehören Informatiker zu den gefragtesten und auch bestbezahlten Berufsgruppen am Arbeitsmarkt.

Unter diesen Prämissen ist es wenig erstaunlich, dass sich mehr und mehr Menschen wünschen, programmieren zu können. Sie streben daher ein Informatikstudium an oder versuchen sich, wenn ein Studium nicht in Frage kommt, privat weiterzubilden. Möglichkeiten dazu bieten beispielsweise Online- oder Inhouse-Seminare von entsprechenden Anbietern oder sogar die örtliche Volkshochschule.

Zwischen einem Informatikstudium und einem Seminar der üblichen Seminaranbieter bestehen deutliche Unterschiede. Während im Informatikstudium Grundlagen, wissenschaftliches Denken und Arbeiten vermittelt werden, konkrete Programmiersprachen und entsprechende Übungen lediglich Mittel zum Zweck sind, konzentrieren sich kommerzielle Seminare in der Regel auf die Vermittlung einer bestimmten Programmiersprache, deren Syntax und Standard-Bibliothek. - Letzteres nenne ich für mich gerne, etwas zugespitzt, „Syntax- und Bibliothekstourismus“.

Lernziele

Dieses Seminar, obgleich online angeboten, ist anders. Der Fokus liegt auf „Programmieren lernen“. Die gewählte Programmiersprache, hier Java, ist lediglich das Vehikel, um das Gelernte praktisch umsetzen und erfahren zu können. Deshalb beschränkt sich dieses Seminar auf die grundlegenden Anweisungen und Programmierkonstrukte. Das hier erworbene Wissen können Sie sehr leicht auch auf andere Programmiersprachen übertragen. Und davon werden Sie, wenn Sie es ernst meinen und tatsächlich als Informatiker arbeiten wollen, einige lernen müssen.

Wir beginnen bei den Grundlagen und entwickeln aus diesen, Schritt für Schritt, Algorithmen und Datenstrukturen, die jeder Informatiker kennen muss. Das Seminar orientiert sich hierbei am Niveau eines Erstsemesters im Studiengang Informatik.

Das Ziel dieses Seminars ist es, Sie fundiert mit den Grundlagen der Programmierung vertraut zu machen. Sie lernen die grundlegenden Konzepte, die jede Programmiersprache auszeichnen. Das sind Anweisungen, Variablen, Konstrukte zur Programmablaufsteuerung und Datenstrukturen.

Moderne Programmiersprachen haben, so die Erwartung, „objektorientiert“ zu sein. Leider wird der Begriff der Objektorientierung vielfach falsch verstanden. Hier lernen Sie, was es damit wirklich auf sich hat und wie Sie objektorientierte Programmierung richtig einsetzen. Objektorientierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug zur Strukturierung komplexer Software.

Warum Java?

Java ist, wenn auch nicht in dem Maße wie es aktuell die Programmiersprache Python ist, beliebt. In der Industrie wird Java sogar häufiger eingesetzt als Python. Für Sie als Lernende bedeutet das, das Programmieren mittels einer Programmiersprache zu lernen, die auch praktische und kommerzielle Relevanz besitzt.

Zum anderen und das war/ist für mich entscheidend, setzt Java allseits anerkannte Konzepte der Programmierung sauber um, ohne dabei durch Syntax-Spielereien, vom Wesentlichen abzulenken. Java ist deshalb, und aufgrund des überschaubaren Vokabulars, eine ideale Programmiersprache, um sie als erste zu erlernende Programmiersprache einzusetzen.

Voraussetzungen

Das Seminar setzt keine Programmiererfahrungen voraus. Für Computer-Anfänger ist es jedoch keinesfalls geeignet.

Seminarteilnehmer müssen motiviert und arbeitsfreudig sein.

Ein Klavier-Virtuose ist nicht zum Virtuosen geworden, weil er eine große Menge Bücher über das Klavierspielen gelesen oder sich entsprechende Schulungsvideos angesehen hat. Er ist es geworden, weil er hart dafür gearbeitet hat und, das ist ebenso wichtig, er das notwendige Talent besitzt.

Für (angehende) Informatiker gilt das ganz analog. Wollen Sie ein erfolgreicher Informatiker werden, dann müssen Sie üben, üben, üben, … - Talent ist hilfreich und zeigt sich oft erst durch ernsthaftes Üben.

Die Talente des Informatikers sind logisches Denkvermögen und mathematisches Verständnis.

Orientierungshilfe

Wenn Sie beabsichtigen, ein Informatikstudium zu absolvieren, dann kann Ihnen dieses Seminar als Orientierungshilfe dienen. Viele Menschen haben falsche Vorstellungen von einem Informatikstudium. Je nach Universität sind die angebotenen Studiengänge unterschiedlich gewichtet. Programmiert wird überall. Die jeweils eingesetzten Programmiersprachen unterscheiden sich. In jedem Fall lehren Universitäten nicht primär die eingesetzten Programmiersprachen. Die dienen lediglich dazu, Algorithmen, Automatentheorie etc.\ praktisch umsetzen zu lernen. Etwa 50 Prozent der Vorlesungen sind Mathematikvorlesungen und/oder Vorlesungen, in denen zumindest mathematische Konzepte vorherrschend sind, wie beispielsweise bei formalen Sprachen oder ähnlichen Fachgebieten.

Dieses Seminar eröffnet Ihnen einen Einblick in das, was Sie in einem Informatikstudium erwartet.

Spaß am Programmieren

Vielleicht haben Sie bis hierher den Eindruck gewonnen, die Informatik und auch das Programmieren seien etwas Mechanisches, etwas im Wesentlichen Formales. Dem ist definitiv nicht so. Es braucht auch Kreativität.

Wenn Sie die Materie beherrschen, ist das Programmieren ganz ähnlich dem Spielen mit Lego-Steinen. Sie entwickeln Datenstrukturen, Algorithmen, die auf diesen Strukturen arbeiten, und schaffen so nützliche Programme, Programme, die Ihnen leidige Arbeiten abnehmen und Ihr (und vielleicht das Leben anderer Menschen) schöner machen.

Kurz: Informatik macht, wenn Sie die Voraussetzungen dazu mitbringen, Spaß.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen beim Programmieren, einer wesentlichen Qualifikation eines jeden Informatikers, viel Spaß beim Lernen!

Karsten Brodmann, September 2026

Download der Beispiele

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